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Donnerstag, 23. Februar 2012
Galerie im Tor PDF Drucken E-Mail

Galerie im Tor

Ständige Wechselausstellungen zeitgenössischer Kunst in den Bereichen Malerei, Zeichnung, Druckgraphik, Photographie, Bildhauerei und Video im historischen Emmendlnger Stadttor.


Seit Herbst 1996 werden jährlich fünf vier- bis sechswöchige Ausstellungen gezeigt. Diese werden von Veranstaltungen wie Künstlergesprächen, Leseabenden usw. begleitet. Die zuständige Arbeitsgruppe des Kulturkreises versteht sich als Vermittler zwischen Atelier und Öffentlichkeit und schafft jenseits von kommerziellen Interessen einen Freiraum für Kunst unserer Zeit. Durch das ehrenamtliche Engagement der Mitglieder, die Finanzierung nicht nur durch Bildverkäufe, sondern auch durch Mitgliederbeiträge, private Spenden, Zuschüsse der Stadt Emmendingen und des Landes Baden-Württemberg ist Unabhängigkeit der Entscheidung für Themen und Inhalte möglich.

Es wird nicht nur gefällige Kunst gezeigt, sondern auch solche, die Auseinandersetzung mit unserer Zeit und mit künstlerischen Postionen fordert.
 
Öffnungszeiten: Mi 14 - 17, Sa 11 - 14,      So 11 - 17 Uhr und nach Vereinbarung           (Tel. 07641 / 967 97 05)
Aktuelle Ausstellung: www.galerie-im-tor.de
 



 Ausstellungsbeispiele:

 

Zeichen – im Fluss der Zeit“ lautet der Titel der Ausstellung von Dieter Benz, in der Galerie im Tor vom 07.11. bis 12.12.2010.

Der in Sölden lebende und mit Emmendingen über zahlreiche Kunstprojekte verbundene Künstler Dieter Benz zeigt neue Werke. Sie lassen sowohl Elemente seiner feurigen Installationen erkennen, nutzen aber auch völlig neue künstlerische Ausdrucksmittel.

Zeichen und Formen, dem Betrachter scheinen sie vertraut - sie erinnern entfernt an Asiatische Schriftzeichen, Ägyptische Hieroglyphen oder ein unbekanntes Alphabet?

Dieter Benz präsentiert jedoch eine völlig andere Zeichensprache, es ist Ausdruck einer Seelenstimmung, ein Gefühlsausdruck mit zeichnerischen Mitteln auf die Leinwand gebracht. Lesbar fast wie aus einem Buch, jedoch ist die Geschichte die vermittelt wird für jeden Betrachter eine eigene. Es entsteht ein innerer Dialog, ein Gedankenfluss, der Phantasie und kreative Kraft weckt.

Die Vernissage der Ausstellung am 07. November, 11:15 Uhr wird eröffnet von W. Tegeler. Es findet ein musikalischer Dialog zu den Werken statt; dargeboten von Matthias Stich und Werner Englert.

Ein Gespräch mit dem Künstler findet in den Räumen der Galerie im Tor am Sonntag dem 28. November um 17 Uhr statt.

Die Ausstellung ist mittwochs von 14 bis 17 Uhr, samstags von 11 bis 14 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

 

Werner Tegeler

 



Manuel Frattini: PET - shop girls und andere neue Arbeiten

30.8. - 27.9.2009
In der Emmendinger Galerie im Tor sind neue Arbeiten des Freiburger Künstlers Manuel Frattini zu sehen.
Alltägliche Gegenstände gewinnen durch bunte Bemalung hintergründige Bedeutung. Sensible Gebilde zwischen Malerei und Zeichnung, Relief und Skulptur verweisen auf Orte, wo unerhörte Funde anstehen.
Farbkräftige Rauten als Wegzeichen entgegengesetzter Richtungen. Berührungspunkte fremder Welten, Signale ferner Schwingungen werden zu dichten Kompositionen verknüpft.
Nicht hermetisch abgeschlossen, sondern offen für installative Kontakte zu den gegebenen Räumen.
Ein wundersames Kunstspiel, das sich jeder Einordnung und Zuordnung entzieht.

Zur Einführung bei der Vernissage am Sonntag, 30. August, 11.15 Uhr, spricht der Lahrer Galerist Niko Bischoff.
Ein Gespräch mit dem Künstler findet am Sonntag, 13. 9., 17.00 Uhr, in den Räumen der Galerie statt.

 


Zu früheren Ausstellungen:


 

 Almut Quaas: Frauen

 

14.6. – 19. 7. 2009

"Frauen" nennt die Emmendinger Galerie im Tor lapidar die Ausstellung von Ölbildern und Grisaillen von Almut Quaas, die sie vom 14. 6. bis zum 19. 7. in ihren Räumen zeigt. Frauen, gemalt von einer Frau. Es geht dabei nur am Rande darum, Menschen zu charakterisieren. Es geht vielmehr um Selbsvergewisserung, um die Condition Humaine, die sich einer künstlerischen Behandlung nur dann erschließt, wenn sie mit dem tiefen Ernst geschieht, mit dem sich Almut Quaas ihrem Sujet zuwendet. Die Eröffnung findet am Sonntag, 14. 6., um 11.15 statt.

Die Einführung geschieht durch Franz Armin Morat und Anna Seidenglanz.
 

 

Celia Brown: Persephone im Wunderland

26. 4. – 24. 5. 2009

Die Emmendinger Galerie im Tor stellt vom 26. April bis zum 24. Mai Arbeiten der Freiburger Künstlerin Celia Brown aus, die sie selbst "Animation und Alice-Installation" nennt. Sie wurde dazu sowohl von Lewis Carrolls "Alice in Wonderland" und "Through the Looking-Glass and What Alice Found There" als auch durch die Geschichte der Persephone in Ovids Metamorhosen angeregt. Die Besucher sind herzlich zu einem Künstlergespräch am 10. Mai, 17 Uhr, in den Räumen der Galerie eingeladen. Die Öffnungszeiten der Galerie im Tor: mittwochs 14 - 17, samstags 11 - 14, und sonntags 11 - 17 Uhr.


Metallarbeiten von Jörg Siegele (13. 4. - 18. 5. 2008)

Der Freiburger Bildhauer Jörg Siegele und der Emmendinger Musiker Werner Englert, die heute wieder einmal zusammentreffen, sind zwei kongeniale Künstler. Jörg Siegeles tanzende, oft groteske Figuren und Werner Englerts beschwingte, oft bestürzende  Improvisationen ergänzen und bekräftigen sich gegenseitig. Das konnten wir schon vor einigen Jahren wahrnehmen, als Werner Englert mit verschiedenen Ensembles seines Music Lab die am Mühlbach stehenden Werke des Emmendinger Skulpturenweges umspielte und als Zentrum seiner Musikinstallation Jörg Siegeles "Vier Stelen" auswählte. In deren Mitte setzte er einen einsamen Trommler, der mit seinen langsam anschwellenden Klängen die beteiligten Gruppen in den Park rief.

Exzentrische Form und Sinnmitte

Die vier Stelen des Emmendinger Skulpturenweges, heute sind es fünf, bestehen aus Stahlrohren, an denen sich fantastische, koboldartige Wesen klammern, exzentrische Wesen, die sich in einer Unterhaltung befinden, die wir nicht verstehen, Absichten zum Guten oder Bösen haben, die sich unserer Kenntnis entziehen. Und inmitten dieser befremdlichen Gesellschaft wird eine geheimnisvolle Stille spürbar, inmitten dieses exzentrischen Treibens ein Sinnzentrum, in das Werner Englert seinen Trommler setzte.

Unsere Ausstellung, die wir heute eröffnen, beginnt schon im Treppenhaus:
auf unserem Weg nach oben werden wir von grotesken Figuren begleitet, die Jörg Siegele aus Aluminiumblech geschnitten hat: ein Tänzer trägt ein  ein Hirschgeweih; einer hat vier Arme und vier Hände; ein anderer gleich sechs; ein Hals ist so lang, daß man ihn verknoten kann; eine Schlange mit einem Vogel-, eine Libelle mit einem Menschenkopf; ein Mensch mit Molchen im Bauch; eine gebeugte Figur mit einem Specht auf dem Hintern; ein Mensch mit einem übergroßen Herzen, das er selbst mit Trommelschlegeln bearbeitet usw. Auch hier eine exzentrische Gesellschaft, in der wir uns wohlvertraute Formen vergeblich suchen, die sich jeder Einordnung und Verwertung entzieht.

Und plötzlich Stille, wenn wir den ersten Raum betreten. Vor untergehenden Sonnen die schwarzen Silhouetten von Kähnen, in denen ein sitzender Fährmann eine stehende Gestalt vorbeirudert. Charon auf dem Weg in die Unterwelt? An den Wänden zwei hochformatige Bilder mit Hohlformen graziler Jongleure und antikisierender Ornamente. Die beiden schwarzen Blechfiguren, als Mann und Frau unverkennbar, ließ Jörg Siegele nicht, wie von mir vorgeschlagen, als lockere Gruppe stehen, sondern stellte sie, einem in diesem Raum wirksamen installativen Sinn folgend, als Wächter links und rechts von der Tür zum Kabinett auf. Die Themen Entstehen und Vergehen, Leben und Tod verweisen auf einen archaischen, zeitlosen Sinn. Die befremdliche Figuration ist im Vorfeld bzw. im Treppenhaus nötig, um unsere Befangenheit in fragwürdigen Werten und Normen aufzubrechen, Verdrängungen aufzuheben und unsere Fantasie zu befreien. Man tut Jörg Siegele sicher Unrecht, wenn man ihn als eine Art Künstler-Clown, zuständig für das Lustige in der Kunst, abtut. Aber es darf vor seinen skurrilen Arbeiten natürlich gelacht werden. Lachen ist gesund und befreit. Vielleicht können wir das Besondere seiner Kunst durch einen kleinen Exkurs in die Kunstgeschichte verdeutlichen.

Das Groteske in der Kunstgeschichte

Groteske Bilder und Ornamente tauchen im Lauf der Geschichte meist dann auf, wenn einer Gesellschaft und ihrer Kultur ihr Sinnzentrum abhanden zu kommen droht, wenn sich eine Stimmung der Entfremdung ausbreitet. In aller Regel gibt es dann wütende Proteste gegen solche „entartete Kunst“. In Rom protestierte ein Kunstkritiker namens Vitruv, kurz nachdem das Imperium des Augustus die   Republik vernichtet hatte, gegen eine neue Mode der Kunst: „An die Wand malt man jetzt lieber Monstren als klare Abbilder der dinglichen Welt. Statt der Säulen malt man geriefelte Stengel mit krausen Blättern und Voluten, statt der Giebel Zierwerk, ebenso Kandelaber, die gemalte Ädikulen tragen. Auf deren Giebel wachsen aus Wurzeln sich ein- und ausrollende zarte Blumen, auf denen dann ganz sinnlos Figürchen sitzen. Und schließlich tragen die Stengelchen gar Halbfiguren, die einen mit Menschen-, die anderen mit Tierköpfen. Solches Zeug aber gibt es nicht, wird es niemals geben und hat es auch nie gegeben“.

Als man in der Renaissance bei Grabungen auf groteske Ornamente stieß, lebte auch dieser Stil wieder auf. Von dem lateinischen „Grotta“ wurde damals das Wort „grotesk“ abgeleitet. Raffael bemalte um das Jahr 1515 in diesem Stil die Pfeilerflächen der päpstlichen Loggien. Und sofort rührten sich auch wieder die Gesinnungsgenossen Vitruvs. Noch im 18. Jahrhundert kritisierte Johann Christoph Gottsched: „Sich etwas ohne Beobachtung eines zureichenden Grundes einzubilden, heißt eigentlich träumen oder phantasieren. Gleichwohl bedienen sich ungeschickte Maler, Poeten und Komponisten vielmal dieser Kraft und bringen dadurch lauter Mißgeburten zur Welt, die man Träume der Wachenden nennen könnte.“

Erst mit der Romantik änderte sich diese Einschätzung. Victor Hugo erfaßt das Groteske als Funktion in einem größeren Ganzen. Es wird zum Pol einer Spannung, deren Gegenpol von dem Erhabenen (le sublime) gebildet wird. Im 20. Jahrhundert wehren sich die Surrealisten gegen eine Überbewertung des Rationalismus. Max Ernst malt in seinem „Abendlied“ eine, wie er sich ausdrückt, „Naturgroteske, in der das Reich des Organischen durch eine Folge von Suggestionen und Transmutationen, die sich spontan aufdrängten, ins Dämonische gerückt wird“.

Das Groteske und das Erhabene bei Jörg Siegele

Bei unserem Ausflug in die Kunstgeschichte hat sich vielleicht gezeigt, wo Vorfahren der fantastischen Figuren Jörg Siegeles zu suchen sind. Ihre  Ahnengalerie reicht von der Antike bis zu den Surrealisten. Lassen Sie uns versuchen, zum Schluß seine Position zu umreißen.

Unsere Zeit ist geprägt von dem allgemeinen Streben nach Verwertbarkeit aller materiellen und geistigen Ressourcen. Wir Europäer haben uns in der Pax Amerikana einigermaßen bequem eingerichtet. Der Wert des Euro und die Renten steigen. Fernsehen und Computerisierung machen das Denken überflüssig. Sinnfragen werden weitgehend ausgeblendet. Was soll’s, es läuft doch alles ganz gut! Die Frage, wohin es läuft, stellen wir meistens nicht und schlittern dadurch in Entfremdung und Isolierung hinein. Und dann kommt ein Jörg Siegele und bringt Unruhe in den Laden. Es ist zum Lachen! Ja, aber vielleicht zu einem Lachen, das uns im Hals stecken bleiben wird.

Denn Jörg Siegele blendet die Frage nach der Sinnmitte unseres Lebens, unserer Gesellschaft, unserer Kultur nicht aus. Er leidet wie alle sensiblen Leute unter der geistigen Leere unserer Zeit, die der irische Dichter William Butler Yeats beschrieben hat: „Things fall apart, the centre does not hold“. Jörg Siegele ist mit seinen fantastischen Figuren auf dem Weg zu diesem Sinnzentrum. Dabei hat er die Spannung zu ertragen, die Victor Hugo als die Spannung zwischen den Polen des Grotesken und des Erhabenen beschrieben hat.

Wir finden diese polare Spannung in unserer Ausstellung auf Schritt und Tritt. Im Turmzimmer steht eine große Vase in der Form einer antiken Amphore. In griechischer Manier ist sie mit Figuren verziert, mit den grotesken Figuren unseres Künstlers. An der Stirnwand hängt ein altarartiges Triptychon. Figürliche Hohlformen entstehen aus Spiralen, den Urbildern jeder Entwicklung. Wir finden die Spannung zwischen dem Grotesken und dem Erhabenen auch im Freiburger Faulerbad, wo Jörg Siegele sich auch als Kurator um Arbeiten seiner Kollegen kümmert. Große Fahnen mit seinen Motiven flattern vor dem Faulerbad im Wind. 

Fritz Kendel    

 

 

 

 

Letzte Aktualisierung ( Montag, 30. Januar 2012 )
 
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